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Werner Seelenbinder – Unvergessen!

Aus Anlass des 70. Todestages von Werner Seelenbinder sprach Carsten Schatz auf Einladung der VVN-BdA: "Wir werden Seelenbinders Andenken ehren, wenn wir mit Menschen, die fliehen müssen, in unserem Bezirk willkommen heißen."

Heute vor 70 Jahren führten die Nazi-Henker unseren Genossen Werner Seelenbinder zum Schafott.

Der vielfache deutsche Meister im Ringen, Medaillengewinner bei Europameisterschaften und Olympiavierte von 1936 war ein Junge aus einfachen Verhältnissen. Der Sport war seine Leidenschaft, der Kampf gegen Ungerechtigkeit war ihm in die Wiege gelegt.

Werner Seelenbinder trainierte seit er 13 war bei Arbeitersportvereinen in Neukölln, wo seine Familie wohnte. Früh konnte er sportliche Erfolge erringen, ab 1918 war er mehrfach Berliner Meister der Arbeitersportler. 1925 sein erster internationaler Erfolg, Sieg bei der Arbeiterolympiade in Frankfurt am Main, im Ringen griechisch-römischer Stil, Halbschwergewicht. 1927 und 1928 nahm Werner Seelenbinder an Wettkämpfen in der Sowjetunion teil und war auch hier siegreich. Und er war beliebt. Seine offene unvoreingenommene Art, seine Herzlichkeit, sein Sportsgeist schafften ihm Freunde. Seinen Spezialgriff, den verkehrten Hüftschwung nannte man dort nun „den Seelenbinder“.

1928 wurde er Mitglied der KPD, sicher beeinflusst durch die Reisen in die Sowjetunion., die politische Entwicklung in Deutschland und die persönliche Bekanntschaft u.a. mit Erich Rochler.

Er arbeitete damals bei AEG in Treptow, dem späteren EAW, dort wo heute die Allianz-Towers stehen.

Als 1933 die Nazis an die Macht kamen, war Werner Seelenbinder ein bekannter Sportler. Und die Partei beauftragte ihn, Sport zu treiben und die Reisen und seinen möglichen Erfolg für die politische Arbeit einzusetzen.

Sein Auftrag lautete, in einem neuen bürgerlichen Verein – Sportvereinigung Ost 1919 – sein Talent zu entwickeln, möglichst bis hin zur Teilnahme an der Olympiade.

1933 wurde er erstmals Deutscher Meister im Halbschwergewicht.

Doch bei der Siegerehrung verweigerte er den Hitlergruß.

Die Genossen sahen darin einen Disziplinverstoß. Und tatsächlich folgte bald seine erste Verhaftung und der Aufenthalt im KZ Columbiahaus. Doch seine Bekanntheit und die Aussicht auf weitere sportliche Erfolge für Deutschland schützten ihn. Zwar war er 1934 noch gesperrt, doch 1935 bis 1939 und erneut 1941 wurde er Deutscher Meister im Halbschwergewicht, griechisch-römischer Stil.

Seine Reisen zu internationalen Wettkämpfen nutzte er für Kurierdienste z.B. nach Dänemark und Lettland.

Neben Flugblättern und Nachrichtentransport sammelte er auch für die „Rote Hilfe“, um die Familien Verhafteter zu unterstützen und beschaffte Quartiere und Verpflegung für Verfolgte.

1936 die Olympiade sollte die größte Herausforderung für Seelenbinder werden. Er hatte Chancen zur Goldmedaille. Die Genossen hatten vorgesehen, dass er beim Interview zur Siegerehrung Klartext redet. Alles war exakt vorbereitet, seine Form glänzend – da erfuhr er, dass die Gestapo über neunzig Sportler verhaftet hatte, auch die Rundfunkleute, die das Interview machen sollten.

Und jetzt? Er würde vielleicht siegen – aber das Interview – noch ein Propagandasieg für die Nazis? Er rang unkonzentriert und einer der Zuschauer rief: „Der rote Hund will bloß nicht!“ Weinend saß er, nach der Niederlage, in der Kabine. Doch mithilfe eines Genossen fasste er neuen Mut. Am Tag darauf fanden ca. 3000 Besucher der Spiele in ihren Tagesprogrammen Flugblätter, die ein schwedischer Masseur mitgebracht hatte: „Hitlers Olympiade als Kulisse der Kriegsvorbereitung“.

Werner Seelenbinder schaffte Rang 4.

Und seine illegale Arbeit ging weiter. Kurierdienste und die Arbeit im Betrieb. 1939 wurde Werner Seelenbinder in einen Rüstungsbetrieb nach Marienfelde verpflichtet. Hier baute er eine illegale Betriebsgruppe auf und hielt Kontakt zur Widerstandsgruppe von Robert Uhrig und Alfred Kowalke. Alfred Kowalke besorgte Werner Seelenbinder auch seine letzte Unterkunft in der Friedrichshainer Glatzer Straße.

Im Zuge der Ermittlungen gegen die Rote Kapelle geriet auch die Gruppe um Robert Uhrig ins Visier der Gestapo und so wurde Werner Seelenbinder am 4. Februar 1942 verhaftet. Eine qualvolle Zeit in den Folterkellern der Gestapo, in Lagern und Zuchthäusern kam auf ihn zu.

Im September 1944 fand der Prozess gegen Werner und zwölf andere statt. Alle wurden zum Tode verurteilt. Der Reichsanwalt schrie auf Seelenbinder gerichtet in den Saal: „ Sehen Sie sich diesen Kopf an, dieses Verbrechergesicht. Das ist der Staatsfeind Numero eins!“

Während seines Martyriums traf Werner Seelenbinder auf Peter Edel, der sich in seinen Buch „Wenns ans Leben geht“ erinnerte, dass Werner Seelenbinder ihm mit auf den Weg gab, wenn er überleben sollte: „..., dann sag alles, die ganze Wahrheit, damit das nie wiederkehrt, sage es vor allem den jungen Menschen…“.

Am 24. Oktober 1944 sollte Seelenbinders Leben unter dem Fallbeil in Brandenburg-Görden enden. Durch seine Standhaftigkeit hatte er viele Genossinnen und Genossen, deren Namen er in den Verhören durch die Nazis nicht preisgab, retten. Zu ihnen gehörte auch sein alter Freund Erich Rochler. In jenen Tagen standen im Osten und im Westen Deutschlands erstmals Truppen der Alliierten und der Sowjetarmee auf deutschem Gebiet.

Werner Seelenbinder schrieb einen bewegenden Abschiedsbrief und rief den Mithäftlingen, die im Hof Freigang hatten, durch die Gitter seines Zellenfensters, kurz vor seinem letzten Weg zu:

„Genossen! Hier spricht Seelernbinder! Heute Mittag werden wir hingerichtet. Wir sind stark geblieben. Bleibt auch Ihr stark! Hitler geht unter. Grüßt die Genossen der Roten Armee!“

Leider geriet die Erinnerung an Werner Seelenbinder unter die Räder des kalten Krieges. So wurde ein Stadion in Neukölln, dass seit 1946 seinen Namen trug, 1949 wieder umbenannt. Erst 2004 (unter rot-rot) konnte das Stadion in Neukölln wieder Werner Seelenbinders Namen tragen, seit 2008 hat auch der deutsche Sport ihn in seine Hall of Fame aufgenommen.

Diese Straße hier trägt seinen Namen seit dem 31.7.1947. Ich will auch nicht verschweigen, dass es sicher nicht nur für mich schwer zu ertragen ist, dass seit dem Jahr 2000 die Zentrale der neonazistischen NPD in der Straße mit Werner Seelenbinders Namen unterkam.

Aber den Neonazis sei gesagt: Wir werden die Auftrag Werner Seelenbinders Ernst nehmen und auch in dem wir an ihn und an seine Taten erinnern die ganze Wahrheit sagen und dafür sorgen, dass eine Barbarei, wie die Nazi-Barbarei nie wiederkehrt.

Und wir werden Werner Seelenbinders Andenken ehren, wenn wir mit Menschen, die fliehen müssen, um ein Leben in Frieden und ohne Hunger für sich und ihre Familien zu verwirklichen, solidarisch sind und sie in unserem Bezirk willkommen heißen.

Diese Solidarität heißt für mich aber auch weiter dafür zu kämpfen, dass sie nicht zu hunderten in mehrstöckigen Containern untergebracht werden, sondern in menschenwürdigen Unterkünften.

Ich danke Ihnen.

(Manuskript – Es gilt das gesprochene Wort.)


in Treptow-Köpenick

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